Wieviel Gendergerechtigkeit braucht unsere Sprache?

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Eine Blogparade auf blogparade.net

Der Gender Pay Gap beträgt in Deutschland 18 Prozent. Eine weibliche Arbeitnehmerin verdient also im Schnitt 18 Prozent weniger, als ein gleich qualifizierter Mann. Diese Ungleichbehandlung zieht sich durch alle Branchen und Bundesländer. Am 10. März 2021 war der sogenannte Equal Pay Day. Während männliche Arbeitnehmerinnen bereits ab dem 1. Jänner ihr Gehalt beziehen, arbeiten die Frauen theoretisch bis zum Equal Pay Day umsonst. Politikerinnen haben mittlerweile vorgegeben, dass eine Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten einzuhalten ist. Abgesehen von diesem Gremium können die Unternehmerinnen aber frei entscheiden, ob Frauen, oder Männer angestellt werden. Aber nicht nur in der Wirtschaft sind Frauen benachteiligt. Die Art zu sprechen und zu schreiben benachteiligt in vielen Bereichen ebenfalls die Frauen. Kaum jemand würde eine Gruppe von 90 männlichen und 10 weiblichen Medizinerinnen als Ärztinnen bezeichnen. Andersrum wäre das zumindest nicht ungewöhnlich. Aber was macht das in unseren Köpfen?

Sprache ist wunderbar. Sie ist mächtig und in der Lage Bilder zu schaffen. Bilder, die in den Köpfen und den Gedanken entstehen. Wie wir Dinge visualisieren prägt und beeinflusst uns. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist das Schlussplädoyer auf dem Film „Die Jury“ aus dem Jahr 1996. In der Verfilmung des Romans von John Grisham spielt Matthew McConaughey einen jungen Anwalt. Er verteidigt den farbigen Vater eines kleinen Mädchens, das von zwei weißen Rassisten brutal vergewaltigt wurde und der die Täter auf dem Weg in den Gerichtssaal erschossen hat. In seinem exzellent gespielten Schlussplädoyer bittet er die Jury die Augen zu schließen und beschreibt in einer bildreichen Sprache minutenlang die Geschichte eines kleinen Mädchens, das von zwei Männern vergewaltigt wird. Wiederholt fordert er die Jury auf, sich das Mädchen vorzustellen. Er endet damit, dass er sie bittet, sich vorzustellen, dass das Mädchen weiß wäre. (Hier der Link auf den Filmausschnitt auf Youtube)

So, wie die Mitglieder der Jury ein bestimmtet Bild vor Augen hatten, so löst auch unsere Sprache bei Zuhörerinnen und Leserinnen Bilder aus. Die 100 Ärzte werden sofort zu einer großen Gruppe aus Männern in weißen Kitteln mit einem Stethoskop um den Hals. Dass aber nur ein kleiner Teil der Ärztinnen männlich ist, ist schwer in unserer Sprache festzuhalten. Einerseits ist es allgemein üblich und wohl seit Jahrhunderten so, andererseits ist die Bezeichnung als Ärztinnen grundsätzlich genauso falsch. Dass es früher üblich war, dass Schriftstellerinnen und Geschichtenerzählerinnen die Frauen unerwähnt ließen, war wohl auf die gesellschaftliche Stellung der Frau zurückzuführen. Männer sind bis heute in vielen Lebensbereichen stärker vertreten als Frauen. Allerdings gibt es kaum noch Berufe, die nicht auch Frauen ausüben könnten.

Es gibt also keine Rechtfertigung dafür, dass wir in der Sprache die männliche Form bevorzugt einsetzen. Außer, dass es eben so ist. Jede, die einen Text verfasst, also jede Schriftstellerin und jede Autorin steht also vor der Entscheidung, wie sie den Text gestaltet. Es gibt rund um das Gendern zahlreiche Ansätze. Das inkludieren der weiblichen Form durch das Anführen alternativer Endungen macht Texte schlichtweg unlesbar. Längere Sätze, denen die Leserin oft ohnehin nur mit Mühe folgen kann, werden unnötig kompliziert. Außerdem darf man einen Umstand nicht außer Acht lassen. Seit dem Jahr 2018 ist es in Deutschland offiziell möglich, sich keinem Geschlecht zugehörig zu fühlen. Menschen, die weder weiblich, noch männlich sind, werden als divers geführt. Dieses dritte Geschlecht bringt das Gendern endgülig an seine Grenzen.

Nicole arbeitet seit 25 Jahren als Texterin und hat beruflich ständig mit Sprache zu tun. Sie steht häufig vor genau demselben Problem, vor dem alle Verfasserinnen von Texten stehen. Ist es notwendig in allen Fällen beide, oder sogar alle drei Formen anzuführen, oder ist es besser, die Texte leicht lesbar und in nur einer der beiden Formen zu gestalten. Dafür gibt es kein Patentrezept, aber unzählige Meinungen. Sprachwissenschaftlerinnen, Journalistinnen, und andere, mit der Sprache beschäftigte Expertinnen sehen entweder das Anführen von nur einem Geschlecht als Ausgrenzung, oder als Einhaltung der allgemein gültigen Regeln unserer Sprache. Es ist also nicht wirklich einfach, es richtig zu machen. Eigentlich ist es sogar unmöglich.

Um das Thema trotzdem ein wenig aufzuarbeiten und unterschiedliche Sichtweisen und Praktiken zu sammeln, ruft Nicole zu einer Blogparade auf. In ihrem Aufruf zur Blogparade stellt sie eine Reihe von Fragen, von denen sich sicherlich jede Teilnehmerin angesprochen fühlt. Bei der Einreichung ihrer Blogparade hat sie folgende Zusammenfassung hinterlassen:

Mein Name ist Nicole Isermann und seit über 25 Jahren stehe ich für Text, Redaktion und PR mit Leidenschaft.

Meinen Blog PRojektText.com habe ich im Januar 2021 wiederbelebt und veröffentliche hier wöchentlich alles rund um mich und mein Business: das Schreiben, Bloggen und Texten.

Im letzten Monat habe ich mich viel mit der gendergerechten Sprache beschäftigt und meine zwispältigen Gedanken dazu anlässlich des Frauentags veröffentlicht. Und weil es so viele Facetten zum Gendern gibt, möchte ich durch meine erste eigene Blogparade viele weitere Haltungen dazu kennenlernen.

Nicoles Aufruf zu ihrer Blogparade

Für die Teilnahme an der Blogparade hat Nicole auch den Hashtag #BlogparadeGendergerechtigkeit eingeführt. Diesen Hashtag können alle Teilnehmerinnen in ihren Beiträgen verwenden und beim Teilen in sozialen Netzwerken anführen. Gendern ist ein Thema mit dem sich gerade Bloggerinnen ständig beschäftigen müssen. Die Gratwanderung zwischen holprigen Texten und politisch korrektem Schreiben ist nicht immer leicht. Wenn Du also eine Meinung zu dem Thema hast, dann teil sie in Deinem Beitrag zur Blogparade.

Hinweis: Für eine bessere Lesbarkeit dieses Textes habe ich auf das Gendern verzichtet. Alle Personenbezeichnungen umfassen gleichermaßen alle drei Geschlechter.

Alle Infos zur Blogparade findest Du unter: Wieviel Gendergerechtigkeit braucht unsere Sprache?

Diese Blogparade läuft bis 26.03.2021.

4 Gedanken zu „Wieviel Gendergerechtigkeit braucht unsere Sprache?

  1. Ein wunderbarer und detaillierter Einführungstext zu meinem Blogparaden-Aufruf, der eigentlich schon ein eigener Beitrag dazu wäre, oder?! Herzlichen Dank für die Veröffentlichung auf deiner Seite Blogparade.net !!!
    Viele Grüße von
    Nicole

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